…und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind.
Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben.
Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines Tages in die Antwort hinein.
aus: “Briefe an einen jungen Dichter” von Rainer Maria Rilke
Alles zu seiner Zeit… alles… geht ganz leicht, wenn der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist… ohne Anstrengung, federleicht… kommt zu dir, was zu dir gehört. Zur rechten Zeit. Das ist eine gute Übung, einmal mehr, loszulassen, sich voll Vertrauen fallenzulassen, sich dem Leben hinzugeben…
Von Herzen, Elisabeth ♥

Bild von Silke Leffler
Es kam der Tag, da sagte das Zündholz zur Kerze: “Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden.”
“Oh nein”, erschrak da die Kerze, “nur das nicht.”
Das Zündholz fragte: “Aber willst du denn dein Leben lang kalt und hart bleiben, ohne je gelebt zu haben?”
“Aber Brennen tut doch weh und zehrt an meinen Kräften”, schluchzte die Kerze unsicher und voller Angst.
“Das ist schon wahr”, entgegnete das Zündholz. “Aber das ist auch das Geheimnis unserer Berufung: Wir sind berufen, Licht zu sein. Was ich tun kann, ist wenig. Zünde ich dich aber nicht an, so verpasse ich den Sinn meines Lebens. Ich bin dafür da, das Feuer zu entfachen. Du bist eine Kerze, du sollst für andere leuchten und Wärme schenken. Alles, was du an Schmerz und Leid und Kraft hingibst, wird verwandelt in Licht. Du gehst nicht verloren, wenn du dich verzehrst. Andere werden dein Feuer weiter tragen. Nur wenn du dich versagst, wirst du sterben.”
Da spitzte die Kerze ihren Docht und sprach voller Erwartung: “Ich bitte dich, zünde mich an!”
Verfasser unbekannt
Daher brenne und leuchte und lebe und gib das Feuer des Lebens und der Liebe weiter!
Von ♥en, Elisabeth
Eine Geschichte für Fortgeschrittene
Die Maus flüchtet vor der Katze in den Kuhstall, dort bittet sie die Kuh, sich bei ihr verstecken zu dürfen. Sogleich plumpst ein Fladen auf die Maus nieder. Leider guckt der Schwanz der Maus aus dem Kuhfladen, und so kann die Katze die Maus daran herausziehen und sie fressen.
Und die Moral von der Geschichte:
→ Nicht jeder, der dich anscheißt, meint es böse mit dir.
→ Und nicht jeder, der dich aus der Scheiße zieht, ist dein Freund.
→ Aber wenn du schon in der Scheiße hockst, dann ziehe wenigstens den Schwanz ein!
Diese “nette” Geschichte (und vor allem die Moral!
) habe ich bei Norbert gefunden – ich musste schmunzeln, und sie hat mich dennoch nachdenklich gemacht… Ist es nicht genauso?
Fröhliche Grüße von ♥en, ELisabeth